Du planst deine Chile Rundreise, stößt irgendwann auf Chiloe und hast direkt das nächste Problem: Lohnt sich der Abstecher wirklich – oder solltest du deine begrenzte Reisezeit lieber für Patagonien aufsparen?
Genau diese Frage haben wir uns vor unserer Reise auch gestellt. Denn auf den ersten Blick wirkt Chiloe auf der Karte gar nicht so groß. Ein paar Tage Insel, ein bisschen Natur, Castro auf Chiloe anschauen und anschließend weiterreisen – so zumindest unsere Vorstellung.
Ganz so einfach ist es nicht.
Wir haben Chiloe nach Puerto Montt, Puerto Varas und Frutillar in unsere Route eingebaut und die Insel mit unserem Mietwagen erkundet. In diesem Artikel zeigen wir dir deshalb nicht einfach nur, was du auf Chiloe in Chile sehen kannst. Wir erzählen dir, wie viel Zeit wir heute einplanen würden, ob du einen Mietwagen brauchst, wie unkompliziert die Anreise mit der Fähre war, wo wir übernachtet haben und wann wir Chiloe bei einer begrenzten Reisezeit sogar auslassen würden.
Lohnt sich Chiloe überhaupt?
Fangen wir direkt mit der Frage an, die wir uns vor der Reise selbst gestellt haben:
Ja, wir finden schon.
Chiloe war für uns ein richtig schöner Abstecher und hat sich noch einmal ganz anders angefühlt als das chilenische Festland. Viel Natur, kleine Orte, wenig Trubel und dieses Gefühl, einfach ein bisschen über die Insel zu fahren und zu schauen, wo man landet.
Trotzdem würden wir Chiloe nicht uneingeschränkt in jede Chile Route packen.

Wenig Zeit für Chile? Dann würden wir Chiloe sogar skippen
Wenn du insgesamt nur eine begrenzte Reisezeit hast und dich entscheiden musst, ob du Chiloe besuchst oder dafür beispielsweise mehrere Tage in Patagonien streichst, würden wir wahrscheinlich Patagonien priorisieren.
Nicht, weil Chiloe uns nicht gefallen hat. Ganz im Gegenteil.
Aber Chile ist riesig und gerade bei einer Rundreise summieren sich die Fahrtage unglaublich schnell. Wenn Chiloe bedeutet, dass du anschließend an anderen Orten hetzen musst, würden wir die Insel eher für eine spätere Reise aufheben.
Hast du dagegen drei bis fünf Tage Luft in deiner Route und bist ohnehin rund um Puerto Montt oder Puerto Varas unterwegs, lässt sich Chiloe richtig gut einbauen.
Wie viele Tage brauchst du für Chiloe wirklich?
Wir würden für Chiloe ungefähr drei bis fünf Tage einplanen.
Lass dich dabei nicht von der Karte täuschen. Wir hatten Chiloe vor unserer Reise irgendwie kleiner im Kopf.
Tatsächlich ist die Insel ungefähr so groß wie Mauritius.
Wenn du also morgens in Castro startest und beispielsweise in den Süden nach Quellon fahren möchtest, bist du eine ganze Weile unterwegs. Dazu kommen kleinere Straßen, spontane Stopps und Orte, für die du von der Hauptroute abfahren musst.
Genau deshalb würden wir versuchen, nicht jeden Tag mit zehn Sehenswürdigkeiten vollzustopfen.
Chiloe hat uns gerade deshalb gefallen, weil wir uns Zeit lassen konnten.
So unkompliziert war unsere Anreise mit der Fähre
Vor der Reise haben wir ziemlich lange versucht herauszufinden, wie wir die Überfahrt organisieren und ob wir vorher ein Ticket reservieren müssen.
Im Nachhinein hätten wir uns darüber deutlich weniger Gedanken machen können.
Wir kamen von Puerto Varas und sind mit unserem Mietwagen Richtung Pargua zum Fährterminal gefahren. Dort haben wir uns einfach eingereiht und wurden, sobald Platz war, auf eine der nächsten Fähren gewunken.

Bei uns fuhren die Fähren sehr regelmäßig, ungefähr alle 20 bis 30 Minuten. Eine komplizierte Reservierung brauchten wir für unsere Überfahrt nicht.
Die Überfahrt kostete uns ungefähr 15 Euro. Bezahlen konnten wir sowohl mit Bargeld als auch mit Karte.
Für uns war die Anreise damit wesentlich unkomplizierter, als wir sie uns bei der Planung vorgestellt hatten.
👉🏻 Wichtig: Fahrpläne, Preise und Zahlungsoptionen können sich natürlich ändern. Prüfe die aktuellen Bedingungen deshalb vor deiner Überfahrt noch einmal.
Chiloe ohne Auto – würden wir das machen?
Für unsere Art zu reisen: eher nicht.
Wir waren mit einem Mietwagen unterwegs und waren darüber auf Chiloe wirklich froh. Natürlich kannst du auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen verschiedenen Orten fahren. Sobald du aber abgelegenere Unterkünfte, Naturparks und kleinere Orte erreichen möchtest, gibt dir ein eigenes Auto deutlich mehr Freiheit.
Gerade weil wir nicht nur Castro auf Chiloe in Chile sehen wollten, sondern auch einfach spontan über die Insel gefahren sind, war der Mietwagen für uns Gold wert.
Brauchst du auf Chiloe einen 4×4?
Wir hatten einen 4×4-Mietwagen und fanden ihn praktisch – zwingend notwendig würden wir ihn für eine normale Chiloe Rundreise aber nicht nennen.
Bei uns lag es vor allem an unserer Unterkunft. Die war etwas abgelegener und teilweise über Feldwege zu erreichen. Auch bei schlechtem Wetter gibt ein 4×4 natürlich etwas mehr Sicherheit.
Wenn deine Unterkunft gut erreichbar ist und du hauptsächlich auf normalen Straßen zwischen den größeren Orten unterwegs bist, würden wir einen 4×4 eher als nice to have sehen.
Wenn du dagegen bewusst abgelegene Gegenden erkunden möchtest, würden wir vorher genauer prüfen, wie die Zufahrt aussieht.
Warum wir wieder in der Nähe von Castro übernachten würden
Unsere Unterkunft lag in der Nähe von Castro – und genau das würden wir wieder so machen.
Castro auf Chiloe liegt relativ zentral und war für uns dadurch ein guter Ausgangspunkt. Von hier konnten wir verschiedene Teile der Insel erkunden, ohne jeden Tag komplett die Unterkunft wechseln zu müssen.
Auch Castro selbst würden wir nicht einfach überspringen. Die Stadt ist wahrscheinlich der bekannteste Ort der Insel und eignet sich gut, um zwischendurch einzukaufen, etwas essen zu gehen oder einfach durch die Straßen zu laufen.
Wenn du gerade überlegst, wo du auf Chiloe in Chile deine Unterkunft buchen solltest, würden wir deshalb zuerst rund um Castro schauen.
Was wir auf Chiloe wirklich gemacht haben
Wir haben bewusst versucht, aus unseren wenigen Tagen keine komplett durchgetaktete Sightseeing-Tour zu machen.
Stattdessen waren wir unter anderem in Castro und Dalcahue unterwegs, sind über die Halbinsel Richtung Rilán gefahren und haben verschiedene Teile der Insel mit dem Auto erkundet.

Zwei Ziele sind uns dabei besonders in Erinnerung geblieben.
Parque Tantauco: Genau für solche Orte wollten wir nach Chiloe
Wenn du Natur magst, würden wir den Parque Tantauco auf jeden Fall auf deine Liste setzen.
Wir würden das, was wir dort gemacht haben, nicht einmal als große Wanderung bezeichnen. Wir waren vielmehr im Park unterwegs, sind gelaufen und haben die Landschaft genossen.
Und genau das war schön.

Keine riesige Attraktion, bei der du nach fünf Minuten dein Foto machst und wieder ins Auto steigst. Sondern viel Natur und Ruhe.
Die Anfahrt ist allerdings auch einer der Gründe, warum wir auf Chiloe froh über unseren Mietwagen waren.
Chiloe Quellon: Warum wir bis ganz in den Süden gefahren sind
Wir sind außerdem bis Chiloe Quellon gefahren.
Unser Ziel dort war der Kilómetro 0 der Panamericana Sur. Wenn du sowieso den Süden Chiloes erkundest, fanden wir das einen coolen Stopp.
Nur dafür würden wir allerdings nicht unbedingt quer über die komplette Insel fahren.
Und genau das ist generell etwas, das wir bei Chiloe beachten würden: Die Entfernungen sehen auf der Karte manchmal harmloser aus, als sie sich während der Fahrt anfühlen.
Überlege dir deshalb vorher, welche Regionen du wirklich sehen möchtest, anstatt jeden bekannten Punkt der Insel miteinander verbinden zu wollen.
Regen auf Chiloe: So schlimm war es Ende September wirklich
Auf Regen waren wir vorbereitet.
Wir waren Ende September beziehungsweise Anfang Oktober auf Chiloe und bei uns hat es tatsächlich fast jeden Tag geregnet.
Gestört hat uns das überraschend wenig.
Wir hatten eine gute Regenjacke und Regenhose dabei und waren damit ziemlich entspannt unterwegs. Wenn es stärker geregnet hat, sind wir eben ein Stück mit dem Auto gefahren oder haben unsere Pläne angepasst.
Gerade wenn du außerhalb des chilenischen Sommers reist, würden wir wasserfeste Kleidung deshalb nicht nur vorsichtshalber einpacken.
Wir haben unsere wirklich gebraucht.
Und auch bei den Schuhen würden wir eher praktisch als schön denken. Nach mehreren Regentagen können Naturwege entsprechend matschig werden.
Wegen des Wetters Chiloe auslassen? Würden wir nicht
Vor unserer Reise hatten wir durchaus Respekt vor dem Wetter.
Im Nachhinein würden wir Chiloe aber nicht allein deshalb streichen, weil Regen vorhergesagt ist.
Die Insel hat für uns sogar ziemlich gut zu diesem etwas raueren Wetter gepasst. Wir sind dann eben durch die Landschaft gefahren, haben spontan angehalten und trotzdem viel gesehen.
Sogar einen Pudu, einen winzigen südamerikanischen Hirsch, haben wir entdeckt.
Pinguine haben wir dagegen nicht gesehen. Wir waren allerdings auch nicht an einem der bekannten Pinguin-Spots der Insel.
Wenn Tierbeobachtungen für dich ein Hauptgrund für Chiloe sind, würden wir entsprechende Orte deshalb gezielt in die Route einbauen.
Haben wir uns auf Chiloe sicher gefühlt?
Ja.
Wir haben uns sowohl rund um Castro als auch generell auf Chiloe nie unsicher gefühlt.
Natürlich bedeutet unsere persönliche Erfahrung nicht, dass überall und jederzeit nichts passieren kann. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, die wir auf Reisen ohnehin beachten, würden wir deshalb auch hier nicht vergessen.
Unser persönliches Gefühl während unserer Reise war aber durchweg entspannt.
Essen auf Chiloe: Einen Einkauf würden wir schon vorher erledigen
Hier haben wir etwas gemacht, das wir wieder genauso machen würden.
Da wir uns in unserer Unterkunft teilweise selbst versorgt haben, haben wir bereits auf dem Festland einen größeren Einkauf erledigt.
Das war für uns gerade bei alltäglichen Lebensmitteln praktisch.
Auf Chiloe selbst haben wir dann lieber regionale Sachen gekauft. Besonders spannend fanden wir beispielsweise die für die Insel typischen Kartoffelsorten und natürlich die große Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten.

Wenn du ebenfalls eine Unterkunft mit Küche buchst und etwas abgelegener wohnst, würden wir einen größeren Einkauf also schon vor der Überfahrt zumindest in Betracht ziehen.
Würden wir Chiloe noch einmal in unsere Chile Route einbauen?
Ja – aber nicht um jeden Preis.
Und genau das ist wahrscheinlich unser wichtigstes Fazit zu Chiloe.
Wenn du ohnehin über Puerto Varas oder Puerto Montt Richtung Süden reist und drei bis fünf Tage übrig hast, würden wir den Abstecher wieder machen. Uns haben die Ruhe, die Natur und gerade die Freiheit mit dem Mietwagen richtig gut gefallen.
Wir würden wieder in der Nähe von Castro übernachten, einen Mietwagen nehmen und bewusst nicht versuchen, die komplette Insel in wenigen Tagen abzuhaken.
Wenn deine Chile Rundreise dagegen ohnehin schon viel zu voll ist und du für Chiloe mehrere Tage aus Patagonien streichen müsstest, würden wir anders entscheiden.
Dann würden wir Chiloe skippen.
Nicht jeder schöne Ort muss zwangsläufig in eine Reise passen.
Für uns war Chiloe genau deshalb so schön, weil wir nicht von Highlight zu Highlight hetzen mussten. Wir konnten fahren, anhalten, wenn uns etwas gefallen hat, einen Regentag auch mal einen Regentag sein lassen und eine ganz andere Seite von Chile kennenlernen.
Und vielleicht ist genau das die beste Entscheidungshilfe:
Hast du drei bis fünf Tage Zeit und möchtest Natur, Ruhe und kleinere Orte erleben? Dann lohnt sich Chiloe.
Hast du sowieso schon das Gefühl, dass deine Chile Route aus allen Nähten platzt? Dann heb dir die Insel lieber für ein anderes Mal auf.







